Pollen im Anmarsch



Die Pollensaison im Überblick
Frühblüher wie die Hasel verbreiten ihre allergieauslösenden Pollen je nach Wetterlage bereits ab Januar. Anfang des Jahres folgen dann die Erlenpollen und ab März blühen die Birken. Haben die Birken Anfang Mai ausgeblüht, geht es gleich weiter mit der Gräserblüte. Gräser und Roggen, die mehr als der Hälfte der Heuschnupfenpatienten Probleme bereiten, blühen den ganzen Sommer lang. Die Pollensaison findet ihr Ende erst im September, wenn auch die Kräuter ausgeblüht haben.
„Heute leidet bereits ein Viertel der Bevölkerung an der Volkskrankheit Heuschnupfen“, weiß Professor Dr. Claus Bachert ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). „Wer allergisch auf früh blühende Bäume und Gräser ist – und das ist gar nicht so selten – muss jedes Jahr mit einer Leidenszeit von etwa acht Monaten rechnen.“
Frühzeitig behandeln schützt vor Asthma
Manche trifft es so schlimm, dass sie sich kaum mehr vor die Tür trauen, wenn die persönlichen Erzfeinde durch die Luft wirbeln. Doch so weit sollte es niemand kommen lassen, schließlich stehen mittlerweile verschiedene wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung, um geröteten Augen, Fließschnupfen und Niesattacken etwas entgegenzusetzen. Frühe Behandlung ist entscheidend, da Heuschnupfenpatienten ein deutlich erhöhtes Risiko haben, später an Asthma zu erkranken.
„Etagenwechsel“ nennen Allergologen dieses Phänomen, wenn die allergischen Symptome quasi auch noch ein Stockwerk tiefer, also in die Lungen, wandern. Wer hinter seinem Schnupfen eine allergische Ursache vermutet, sollte unbedingt einen Allergietest bei einem Allergologen durchführen lassen.
Steht der Übeltäter fest, können die Zeiten der schlimmsten Pollenbelastung durch folgende Verhaltensregeln besser überstanden werden: Nutzen Sie regionale Pollenflugvorhersagen (z. B. über Radio, Zeitungen, oder Webseiten wie Allergiecheck-Pollenflugkalender). Auch eine geschickte Urlaubsplanung kann manchmal helfen. Planen Sie Urlaube in pollenarme Regionen mithilfe der Seite Polleninfo.
Komplett entfliehen kann den winzig kleinen Pollen allerdings niemand. Bei Baumpollenallergien reichen schon zehn Pollenkörner pro Kubikmeter Luft, um bei Allergikern eine Reaktion hervorzurufen. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass beispielsweise eine Birke pro Blütenstand mehr als fünf Millionen dieser allergenen Quälgeister freisetzt. Hinzu kommt, dass Pollen bei entsprechenden Windverhältnissen Flugstrecken von bis zu mehreren tausend Kilometern zurücklegen können.

Links: Ragweed (Ambrosia artemisiifolia) ist hochallergen, rechts: Erle (Alnus) mit mäßig starken bis starken Allergenen.
Medikamente als Helfer und Allergie-Impfung
Moderne Medikamente bringen bei Heuschnupfen meist zuverlässig Besserung. So genannte Antihistaminika, die die allergische Reaktion ausbremsen, übernehmen dabei eine wichtige Rolle und helfen am besten bei regelmäßiger Anwendung über die gesamte Zeit des relevanten Pollenfluges. Die Mittel gibt es zum Einnehmen und in Form von Nasensprays und Augentropfen.
Bei stärkeren Beschwerden machen kortisonhaltige Nasensprays Sinn. Kortison wirkt direkt an den Schleimhäuten und gelangt so gut wie gar nicht in den Blutkreislauf – Ängste vor Kortison-Nebenwirkungen sind daher unbegründet! Kortisonhaltige Nasensprays entfalten ihre volle Wirkung nach einigen Tagen regelmäßiger Anwendung und sind besonders wirksam bei starken Beschwerden.
Die verschiedenen Medikamente haben eins gemeinsam: Sie bekämpfen die Symptome, nicht aber die Ursache des Heuschnupfens. Die spezifische Immuntherapie (SIT), auch als Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung bekannt, zielt darauf ab, die Überreaktion des Immunsystems schrittweise zu reduzieren. Bei dieser Behandlung wird der Allergiker über einen Zeitraum von mehreren Jahren regelmäßig mit kleinen, aber steigenden Dosen des allergieauslösenden Stoffs konfrontiert. Diese können entweder als Spritzen in die Haut oder in Form von Tropfen oder Tabletten unter die Zunge verabreicht werden.
Durch die wiederholte Exposition lernt das Immunsystem, die Allergene besser zu tolerieren, wodurch die Symptome deutlich abnehmen oder sogar ganz verschwinden können. Die SIT ist eineTherapieform, die nicht nur die Symptome bekämpft, sondern auch die Ursache der Allergie behandelt. Besonders bei Pollenallergien hat sich diese Methode als sehr effektiv erwiesen.
Die Wahl der passenden Immuntherapie wird nach einer ausführlichen Diagnostik durch einen auf Allergien spezialisierten Facharzt festgelegt. Eine frühzeitige Beratung kann den langfristigen Erfolg der Behandlung verbessern. Adressen von Allergologen lassen sich gut auf der Internetseite des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen finden.
Regeln bei Pollenalarm
- Aufenthalt im Freien meiden
- Fenster nachts schließen
- Haare vor dem Zubettgehen waschen
- Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen
- Pollenschutzgitter an den Fenstern anbringen
- Pollenfilter im Auto installieren
Alternative Heilmethoden
Es existieren verschiedene alternative Ansätze zur Behandlung von Pollenallergien, die über die klassische medikamentöse Therapie und die spezifische Immuntherapie (SIT) hinausgehen. In einigen Fällen können diese Methoden eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungsformen darstellen.
- Akupunktur: Methode der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), bei der feine Nadeln an spezifischen Punkten des Körpers gesetzt werden. Ziel ist es, das Immunsystem zu unterstützen und allergische Reaktionen zu reduzieren. Untersuchungen haben ergeben, dass Akupunktur bei manchen Patienten Heuschnupfen-Symptome, wie Niesen und eine verstopfte Nase, wirksam lindern kann.
- Phytotherapie (Pflanzenheilkunde): Bestimmte pflanzliche Präparate, wie Pestwurz (Butterbur) oder Brennnessel, können dazu beitragen, allergische Reaktionen abzuschwächen. Studien deuten darauf hin, dass Pestwurz in der Wirkung mit Antihistaminika vergleichbar sein kann, jedoch weniger Nebenwirkungen wie Müdigkeit verursacht. Dennoch sollte die Anwendung solcher Mittel immer unter Aufsicht eines erfahrenen Therapeuten erfolgen, da auch pflanzliche Substanzen unerwünschte Effekte hervorrufen können.
- Probiotika: Vorteilhafte Bakterien, die das mikrobielle Gleichgewicht im Darm fördern und das Immunsystem unterstützen können. Studien legen nahe, dass Probiotika dabei helfen könnten, die Intensität allergischer Reaktionen zu reduzieren, indem sie das Immunsystem ins Gleichgewicht bringen.
- Salztherapie (Halotherapie): Das Einatmen salzhaltiger Luft in speziellen Salzgrotten oder mittels Salzsprays kann dabei unterstützen, die Atemwege zu reinigen und zu entspannen. Es gibt Hinweise, dass Salztherapie die Schleimhäute beruhigt und Entzündungen in den Atemwegen lindern kann.
- Homöopathie: In der Homöopathie werden stark verdünnte Mittel verwendet, die Symptome ähnlich denen einer Allergie hervorrufen sollen, um die natürlichen Heilprozesse des Körpers anzuregen. Obwohl die wissenschaftliche Grundlage für Homöopathie begrenzt ist und viele Fachleute skeptisch bleiben, berichten einige Patienten von positiven Ergebnissen.
- Hypnotherapie: Sie setzt gezielte Hypnosesitzungen ein, um das Immunsystem zu beeinflussen und die Stressreaktion des Körpers auf Allergene zu reduzieren. Es gibt einige Berichte und Studien, die nahelegen, dass Hypnose dazu beitragen kann, allergische Reaktionen zu lindern, insbesondere in Verbindung mit anderen Therapieansätzen.