Die Spannkraft der Wirbelsäule


Wenn man durch die Straßen einer Stadt geht, sieht man nur sehr wenig aufgerichtete Menschen. Gerade der große Handykonsum lässt die Jugendlichen aber auch die Erwachsenen mit hängendem Rundrücken sitzen. Auch bei einer Depression fehlt die Aufrichtung im gesamten Rücken. Der Mensch hat nicht einmal mehr die Kraft dazu, sich aufzurichten.
Wenn diese Aufrichtekraft im Rücken fehlt, können leichter Beschwerden im gesamten Rücken eintreten, wie Bandscheibenschäden, Verspannungen, Nervenreizungen,…
Eine gute Spannkraft in der Wirbelsäule ist dann vorhanden, wenn sich Stabilität und Flexibilität im Rücken die Waage halten. Die Kraft zum Aufrichten aus den verschieden Abschnitten der Wirbelsäule benötigt der Mensch für seine Gesundheit.
Wenn man die Wirbelsäule mit einem Bogen vergleicht, kann man es nachvollziehen. Der Bogen muss flexibel sein damit man ihn spannen kann, und er muss auch sehr stabil gebaut sein, um nicht zu zerbrechen. Außerdem muss der Schütze gut aufgerichtet sein, um das Ziel zu treffen.
Übungen zum Erlernen der Spannkraft in der Wirbelsäule
Die Wirbelsäule in ihrer Spannkraft zu stärken ist für jeden Menschen erlernbar.

Stehender Halbmond

Kopfkniestellung
Bei Rückenschmerzen, die vom unteren Rücken ausgehen, eignet sich die Yogaübung „stehender Halbmond“ hervorragend. Bei dieser Übung beginnen wir mit einer Aufrichtung aus dem mittleren Rücken. Diese entlastet den unteren Rücken. Auch auf die Halswirbelsäule wirkt das Anheben des mittleren Rückens ausgleichend.
Der Übende kann sich einer Dreigliederung bewusst werden: Die Beine sind fest und die Knöchel leicht aneinander gepresst, das Becken, und der Lendenbereich bleiben stabil, aus dem mittleren Rücken erfolgt eine dynamische Durchstreckung nach oben, und der Schulter-Nacken-Bereich bleibt entspannt. Der stehende Halbmond ist einfach zu praktizieren und er kann mehrmals am Tag geübt werden. Günstig ist eine Haltedauer von ca. 1-2 min.
Die Spannkraft in der Wirbelsäule kann durch weitere Yogaübungen gefördert werden. Vor allem die Yogaübungen, bei der die Anspannung aus dem mittleren Rücken also vom Nierenbereich ausgeht, sind hier sehr heilsam. Bei allen Übungen wie z.B. beim Bogen, beim Halbmond, bei der Kopfkniestellung oder der Waage muss sich der Übende ordentlich aus dem mittleren Rücken herausheben bzw. herausstrecken. Bei der hier dargestellten Kopfkniestellung wachsen wir aus dem mittleren Rücken in die Länge. Wir versuchen nicht mit dem Kopf zum Knie zu kommen, sondern streben nach vorne in die Weite. Der Schulter Nackenbereich bleibt wieder entspannt. Auch während der Haltedauer von ca. 3 min. bleibt ein Nachvornestreben aus dem mittleren Rücken aufrechterhalten. Die Arme setzen die Dynamik fort, aber ziehen nicht an den Füßen. Das Bewusstsein bleibt während der Übung ständig aktiv. Wir beobachten das Ziehen in den Beinen, die lockeren Schultern und den Atem.
Die Spannkraft in der Wirbelsäule als Hilfe bei der Bewältigung von Traumen
Nach Heinz Grill ist die Spannkraft der Wirbelsäule auch bedeutungsvoll bei der Bewältigung von Traumen, und bei der Verarbeitung von Missverhältnissen. Heutzutage sind Beleidigungen, Mobbing, und verstecktes Lästern über andere keine Seltenheit. Leicht kann sich dadurch bei dem Betroffenen ein Burnout oder eine Depression entwickeln. Ist die Wirbelsäule aber in einer guten Spannkraft, kann der Betroffene diesen Angriffen leichter standhalten.
Die Stärkung der Wirbelsäule durch das Setzen von Zielen
Aber nicht nur Yogaübungen kräftigen den Rücken, sondern auch sich Ziele zu setzen und sie durchzuhalten.

Was sind Ziele? „Ich möchte glücklich sein im Leben“ das ist kein Ziel, dies ist ein natürliches Bedürfnis bzw. ein Ergebnis. Ein Ziel wäre z.B. eine Ausbildung zu Ende zu führen, oder ein Instrument so gut zu erlernen, dass man es gut vorspielen kann. Den Kopfstand zu lernen, oder auch die Kopfkniestellung min 3min spannkräftig zu halten, wäre z.B. ein kleineres Ziel.
Ein wertvolles Ziel ist auch, wenn der Mensch sich eine Bergtour vornimmt, und diese auch durchhält. Wenn er glaubt nicht mehr zu können, und hält trotzdem die Tour durch, bis er auf dem Gipfel ist, dann stärkt dies vehement die Spannkraft der Wirbelsäule. Er kommt dann gestärkt aus dieser Tour zurück. Die Bequemlichkeit schwächt eher die Wirbelsäule.
Die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema stärkt ebenfalls die Wirbelsäule
In der heutigen Welt hastet jeder durch den Tag, muss den Haushalt noch schnell erledigen, und den lästigen Büro Kram, damit er abends dann endlich „Ruhe“ vor dem Fernseher findet. Wenn Zeitschriften gelesen werden, dann werden sie nur mal schnell überflogen, und die Nachrichten werden nicht überprüft, sondern gelangen ungefiltert ins Gehirn. Eine nervliche Überlastung kann nun leicht eintreten.
Je länger man sich mit einem Thema beschäftigt, desto mehr entwickelt man eigene Einsichten dazu. Nehmen wir das Beispiel Ernährung: Jemand liest in einem Buch, dass Karotten, ob roh oder gekocht, sehr gesund sind. Er beginnt daraufhin, viele Karotten zu essen. Das allein ist jedoch keine tiefgehende Auseinandersetzung.

Eine echte Auseinandersetzung beginnt, wenn er die Karotte selbst anbaut, ihr Wachstum beobachtet und wahrnimmt, wie langsam sie wächst, wie ihre zarten, gefiederten Blätter sich lichtvoll nach oben strecken und wie im zweiten Jahr die Dolde der Blüte zur Sonne hin strebt. Er sieht das kräftige Orange der Wurzel. Auch beim Verzehr, durch den bewussten Geschmack, die Konsistenz und Struktur, vertieft sich die Beschäftigung mit der Karotte. Zusätzlich könnte er sich mit tieferen Aussagen, etwa von Rudolf Steiner, beschäftigen: „Die Karotte, wie auch andere Wurzeln, wirken klärend und reinigend auf das Denken, fördern die Konzentration und bringen Frische in den Kopfbereich.“ Dieses Interesse an der Karotte bringt eine innere Aufrichtung mit sich, die sich sogar körperlich zeigt.
Einen aufrechten Rücken kann man auch bei Kindern erleben, wenn sie in der Schule ein Interesse an einem Thema finden. Wenn der Lehrer das Thema wirklich interessant darstellen kann, dann richten sich die Schüler auf, und lümmeln nicht so auf dem Stuhl herum.
Tiefgründige Inhalte, wie sie von Geistforschern und Philosophen geschrieben sind, brauchen eine intensivere Auseinandersetzung. Diese kann man nicht schnell fertig lesen. Wenn man sich Zeit nimmt, und einen Absatz von Rudolf Steiner, Heinz Grill, J.W. von Goethe oder auch von Erich Fromm,… oder auch von christlicher oder buddhistischer Literatur… intensiv studiert, also mehrmals liest, Beobachtungen im Außen zu diesem Thema macht, dann setzt sich der Mensch gut auseinander, und es steigt die Spannkraft in der Wirbelsäule an!
Melanie Rößner
Heilpraktikerin