Der Gelbe Enzian
Hilfe für den Verdauungsapparat

Der lateinische Name „Gentiana“ geht auf den illyrischen König Gentius zurück, der im 1. Jahrhundert vor Christus als Erster die Heilkräfte dieser Pflanze nutzte. Der Namenszusatz „lutea“ bedeutet lateinisch „gelb“ und bezieht sich auf die gelbe Farbe der Blüten. Der deutsche Name Enzian ist eine Ableitung vom lateinischen „Gentius“.

Enzian – Vielfalt über den Erdball verteilt
Die Heimat des Gelben Enzians sind die kalkhaltigen Bergwiesen und Flachmoore der Gebirge Mittel-, Süd-, und Osteuropas, auf denen er Höhen bis zu 2500m erklimmt. Von den 800 Enziansorten, die über den Erdball verteilt sind, finden wir ca. 35 Arten in der Alpenregion.
Seine kerzengeraden Blütenstängel werden bis zu 1,2 m hoch und machen ihn zur größten, stolzesten und majestätischsten Erscheinung unter den Enzianarten. Auffallend sind seine stark hervortretenden Blattnerven und seine vielen gelben Blüten, die in den jeweils gegenständig angeordneten Blattschalen sitzen und in denen sich das Regenwasser sammelt.
Der Gelbe Enzian kann 60-70 Jahre alt werden und blüht erst nach ca. 10 Jahren das erste mal. Doch das, was für die medizinische Nutzung am wichtigsten ist, ist seine vielköpfige Wurzel, die bis zu 1m tief und bis zu 6 kg schwer sein kann. Sie schmeckt erst süß, dann intensiv bitter und hat einen Geruch nach getrockneten Feigen. Das ist umso bemerkenswerter, da beide, der Gelbe Enzian und auch die Feige hervorragende Magenmittel sind.
Die einzige Verwechslungsmöglichkeit in der Natur besteht mit dem Weißen Germer (Veratrum album), der eine ähnliche Gestalt hat, aber weiße Blüten und wechselständig angeordnete Blätter. Da der Gelbe Enzian jedoch unter Naturschutz steht, verbietet sich das Sammeln und man sollte auf seine geschnittene oder pulverisierte Wurzel aus der Apotheke zurückgreifen, wenn man Schnaps oder Heilmittel daraus herstellen möchte.

Für die medizinische Nutzung werden getrocknete Enzian-Wurzeln verwendet
Ein Universalheilmittel
Der Gelbe Enzian ist eine alte Heilpflanze, die sowohl Dioskurides als auch Plinius bereits im 1. Jahrhundert nach Christus einsetzten. Sie verwendeten sie bei Leber- und Magenleiden, Krämpfen, Wunden und Geschwüren. Auch für Hieronymus Bock war der Gelbe Enzian ein sehr gutes Magenmittel, das er auch bei, Koliken, Durchfall und Wurmbefall einsetzte. Hildegard von Bingen empfahl das Wurzelpulver in warmen Wein bei Fieber im Magen zu verwenden. Selbst Goethe, der sich auch als Naturforscher betätigte, sprach von ihm mit großer Hochachtung als Magen-, Fieber- und Gichtmittel und rühmte die kühlende Wirkung seiner Blätter bei offenen Wunden und entzündeten Stellen.
Für viele Gebirgsbewohner ist der Gelbe Enzian ein Universalheilmittel, der dem Magen hilft, üppige Speisen gut zu verdauen oder den Magen aufzuwärmen, damit kaltes Bier nicht schadet.
Der Gelbe Enzian unterstützt bei der Verdauung Magen, Darm, Leber, Galle, Milz und Pankreas vor allem durch seine glykosidischen Bitterstoffe, die noch in Verdünnungen von 1: 20.000 bitter schmecken und ihn zur bittersten einheimischen Pflanze machen. Daneben enthält er Saccharide (Zuckerstoffe), Pektin, Inulin und etwas ätherisches Öl.
Verdauungsfördernd und appetitanregend
Der Gelbe Enzian erhöht die Sekretion von Speichel und Magensäften, regt den Gallefluss an und verbessert den Tonus, die Bewegungen im Magen-Darm Trakt. Gerade bei alten Menschen ist er in der Lage die Magenentleerung, die im Alter oft verzögert ist, zu beschleunigen und so Völlegefühl und Übelkeit zu verhindern. Für Menschen, die Probleme mit der Verdauung von Kuhmilchprodukten haben, ist er genauso wie das Labkraut ein Segen und hilft, wenn Pizza, Raclette und Käsefondue schwer im Magen liegen.
Neben seiner verdauungsfördernden Wirkung ist der Gelbe Enzian auch in der Lage den Appetit anzuregen, die Leber zu stärken und wie alle Bittermittel allgemein den Organismus zu kräftigen. Das macht ihn zu einem idealen Heilmittel bei Magenverstimmungen, Blähungen, Aufstoßen und Völlegefühl. Auch bei Magersucht und leichten Pankreasstörungen ist er eine Hilfe. In der Rekonvaleszenz nach Infektionskrankheiten gibt er dem Körper wieder Kraft und hilft uns als Notfallmittel bei körperlichen und seelischen Schwächezuständen, wenn unsere unverdauten psychischen Erfahrungen zu chronischen Erschöpfungszuständen führen.
Enziantee:
1Teelöffel Enzianwurzel mit 250 ml Wasser übergießen und über Nacht stehen lassen, am Morgen abseihen, leicht erwärmen und trinken.
Kraft und Stärke für Verdauungstrakt und Nervensystem
Nahrungsmittel zu verdauen hat Ähnlichkeit mit der Verdauung von Emotionen, Eindrücken und seelischen Belastungen. Es gilt andere Meinungen zu akzeptieren genauso wie fremdes Eiweiß und dieses Wesensfremde zu integrieren. Das fällt in manchen Fällen sehr schwer und das Erlebte und die Speisen liegen schwer im Magen genauso wie alle Enttäuschungen, Demütigungen, erlittene Ungerechtigkeiten und alle unausgesprochenen Dinge, also alles, was man im Leben nicht verdaut hat. Der Gelbe Enzian steht mit seinen aufrechten, meterhohen Blütenstängeln für Selbstvertrauen und Unverzagtheit und gibt unserem Verdauungstrakt und Nervensystem die Kraft und Stärke, dies zu leisten und sowohl Eiweiß als auch Emotionen aufzuarbeiten und uns einzuverleiben.
Damit wären wir auch bei der Bachblüte „Gentian“, die aus Gentiana amarella, dem Bitteren Fransenenzian, hergestellt wird. Sie wird in der Bachblütentherapie für Menschen verwendet, die an allem zweifeln und ewige Pessimisten und Skeptiker sind. Sie haben einmal in ihrem Leben schlechte Erfahrungen gemacht und sehen ab diesem Zeitpunkt alles negativ. Das Vertrauen in andere und auch in sich selbst ist verloren gegangen. Kleine Probleme hauen sie um und sie grübeln ständig und machen sich Sorgen, beides Emotionen, die zum Magen gehören. Sie werden missmutig, niedergeschlagen und verlieren ihre Selbstsicherheit. Auch Kinder können davon betroffen sein, wenn sie nach einer einmal verpatzten Klassenarbeit bei jeder erneuten Prüfung in Prüfungsangst verfallen und durch ihr verlorenes Selbstvertrauen und ihre mangelnde Zuversicht genau das auch wieder eintritt, was sie befürchtet haben, eine schlechte Note. „Gentian“ gibt wieder Kraft, um alle Schwierigkeiten mutig zu überwinden und alle Misserfolge, die man im Leben nicht verdaut hat aufzuarbeiten und die Bitterkeit darüber zu vergessen.
Enziangewächse in der Homöopathie
Vertreter der Gentianaceae, der Enziangewächse, werden in der Homöopathie werden die für Gesundheitsprobleme von Menschen eingesetzt, die entweder selbst nicht von ihren Schwiegereltern akzeptiert werden oder Probleme damit haben, dass ihr Partner nicht von den eigenen Eltern akzeptiert wird. Auch hier geht es wieder darum, das Fremde zu integrieren, in diesem Fall in die Familie und das Hin- und Hergerissen sein zwischen Partner und Familie kann sich für die Betroffenen zu einem fast unlösbaren Konflikt auswachsen, der sich im schlimmsten Fall im Ultimatum: „Deine Familie oder ich.“ zeigt. Auch außerhalb der Familie können es 2 Parteien sein, die gegensätzliche Meinungen haben und man befürchtet die Zuwendung und Freundschaft einer Seite zu verlieren.
Auf körperlicher Ebene wird der Gelbe Enzian in der Homöopathie bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt, die mit starkem Essensverlangen, Übelkeit und heftigem Durchfall auftreten.
Gerade in unserer Zeit, in der so viele Sinneseindrücke auf uns einstürzen und vielen nicht die Zeit bleibt oder man sie sich nicht nimmt, um Gefühle zu verarbeiten ist der Gelbe Enzian eine wichtige Pflanze um Kraft zu bekommen alles an unverarbeiteten und für uns bitteren Erlebnissen aufzuarbeiten und unseren Magen dadurch zu entlasten.
Sabine Rosner
Heilpraktikerin