Schwerpunkt

Zahnstörfelder

häufig unsichtbare und unterschätzte Gesundheitsrisiken

Der menschliche Körper ist ein komplexes System, in dem alle Organe und Strukturen miteinander in Verbindung stehen. Die Zähne spielen dabei eine bedeutende Rolle. Sie sind nicht nur für das Kauen zuständig, sondern stehen in direkter Wechselwirkung mit anderen Körperbereichen. Störungen im Mund-, Zahn- und Kieferbereich können daher weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben – in diesem Zusammenhang spricht man von Zahnstörfeldern. Diese Störfelder haben eine Fernwirkung auf alle Organsysteme und damit auch auf Vitalfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung, Stoffwechsel sowie Nerven.

In Folge können sich „Schwachstellen“ im Körper zu Krankheitssymptomen entwickeln. Diese Problematik ist nicht immer offensichtlich, denn weder Röntgenbilder noch herkömmliche Blutbefunde weisen auf ein Herdgeschehen hin. Daher werden Störfelder oftmals nicht als solche erkannt – und leider auch als möglicher (mit-)ursächlicher Faktor für zahlreiche Krankheiten und Symptome immer noch zu wenig beachtet, obwohl die Zusammenhänge zwischen Erkrankungen an den Zähnen und anderen Bereichen des Körpers auch in der konventionellen Zahnmedizin weitgehend anerkannt sind. Auf der anderen Seite kann die Entfernung von Störfeldern verschiedene Beschwerden und Erkrankungen, auch außerhalb des Zahn- und Kieferbereichs, beseitigen. Im folgenden Beitrag wird erläutert, wie Zahnstörfelder entstehen können, wie sie sich äußern und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Was sind Störfelder?

Ein Störfeld, auch als Streuherd oder Störherd bezeichnet, liegt vor, wenn eine Entzündung oder Narbe in anderen Bereichen des Körpers Gesundheitsprobleme verursacht. Ein Zahnstörfeld entsteht dann, wenn eine chronische Belastung von einem Zahn oder umliegendem Gewebe ausgeht – z. B. durch entzündliche Prozesse oder Störungen in einem bestimmten Zahn oder Kieferbereich –, die den Körper in seiner normalen Funktion stört und so Beschwerden in anderen Körperregionen hervorruft. Der Körper reagiert darauf mit einer andauernden Immunreaktion, die den gesamten Organismus schwächen kann.

Diese Störfelder werden oftmals zunächst nicht bemerkt, weil sie nicht immer Schmerzen im betroffenen Zahn auslösen, sondern sich durch diffuse Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen oder chronische Infekte bemerkbar machen können. Sie können auch dafür verantwortlich sein, dass verschiedene therapeutische Maßnahmen nicht die gewünschte Wirkung zeigen, Betroffene sich nicht vollständig erholen oder immer wieder unter unspezifischen Symptomen leiden, für die es scheinbar keine eindeutige Ursache gibt.

Wie entstehen Zahnstörfelder?

Ein Zahnstörfeld kann durch verschiedene Faktoren entstehen. Die Zahngesundheit kann beispielsweise durch Zahnersatzmaterialien, wurzelbehandelte Zähne, chronisch-entzündliche Prozesse im Kiefer und chronische Zahnfleischentzündungen beeinträchtigt oder gefährdet sein.

  • Wurzelbehandelte Zähne: Sie stehen im Mittelpunkt der Diskussion um Zahnstörfelder, da sie häufig als (unerkannte) Ursache für chronische Gesundheitsprobleme betrachtet werden. Eine Wurzelbehandlung wird durchgeführt, wenn der Zahnnerv irreversibel entzündet oder abgestorben ist. Dabei wird das entzündete Gewebe aus dem Zahninneren entfernt, die Kanäle werden gereinigt und anschließend mit einem Füllmaterial versiegelt. So kann der Zahn äußerlich als ein funktionsfähiger Teil des Gebisses erhalten bleiben, ebenso seine Kaukraft und -funktion, obwohl er biologisch gesehen nicht mehr „lebendig“ ist. Das Problem hierbei: Trotz modernster Techniken ist es fast unmöglich, die feinen Verzweigungen der Wurzelkanäle vollständig zu reinigen und zu versiegeln. In den mikroskopisch kleinen Hohlräumen verbleiben oft Bakterien, die sich weiter vermehren und giftige Stoffwechselprodukte abgeben können. Diese Toxine können über das Lymphsystem und die Blutbahn in den gesamten Körper gelangen und dort chronische Entzündungsprozesse oder andere Beschwerden auslösen. Ein weiteres Problem ist die eingeschränkte Durchblutung eines wurzelbehandelten Zahnes. Das Immunsystem kann deshalb nicht mehr effektiv auf mögliche Entzündungen im Inneren des Zahns reagieren. Dies kann dazu führen, dass das Immunsystem permanent belastet wird und ein chronischer Entzündungszustand die Folge ist.
  • Unverträgliche Zahnmaterialien: Viele Menschen haben seit Jahren Zahnfüllungen (Amalgam, Kunststoff, Gold oder Keramik), Kronen, Implantate und Brücken. Diese können im Körper allergische Reaktionen oder chronische Entzündungen auslösen. Dabei gibt es kein optimales Zahnersatzmaterial, da jeder Mensch anders darauf reagiert. Besonders Amalgamfüllungen stehen jedoch im Verdacht, durch die Abgabe von Quecksilber gesundheitliche Probleme hervorzurufen. Auch Titanimplantate können in manchen Fällen zu einer überschießenden Immunreaktion führen, die den gesamten Organismus belastet.
  • Narben oder Verletzungen im Mundbereich: Verletzungen durch Unfälle, nicht vollständig ausgeheilte Wunden oder zahnärztliche Eingriffe können Narbengewebe im Mundbereich hinterlassen, die den Energiefluss im Körper beeinträchtigen und Störfelder bilden können.
  • Parodontitis: Umgangssprachlich auch Parodontose genannt, ist sie insbesondere in den Zivilisationsländern eine weitverbreitete Erkrankung. Die Krankheit beginnt meist mit einer Zahnfleischentzündung, die nach und nach fortschreitet, zu Knochenabbau an den entzündeten Zähnen führt und mit lockeren Zähnen und Zahnverlust enden kann. Die Folgen einer Parodontitis beschränken sich nicht nur auf den Mund. Entzündungsstoffe und Bakterien können über die Blutbahn oder Lymphe in andere Körperregionen gelangen und erhöhen so das Risiko für u. a. Thrombosen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Infektionsanfälligkeit durch ein geschwächtes Immunsystem. Auch Diabetes mellitus steht im Zusammenhang mit der Parodontitis, denn schlechte Blutzuckerwerte beeinflussen auch die Mundgesundheit. Die Parodontitis ist somit nicht nur eine Erkrankung des Zahnfleisches, sondern weist auf ein gestörtes Regulations-Gleichgewicht im gesamten Organismus hin.
  • Chronisch-entzündliche Prozesse im Kiefer: Bei Entzündungen des Kieferknochens kann es sich um ein lokales oder ausgedehntes Geschehen handeln, wobei die Entzündung auch auf benachbarte Gewebe übergehen kann. Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Kieferknochenentzündung auslösen können, wie eine Strahlentherapie oder mechanische Einwirkungen. Am häufigsten werden Kieferknochenentzündungen durch eine bakterielle Infektion verursacht. Die Bakterien gelangen z. B. über den Wurzelkanal in den Knochen. Aber auch Verletzungen und chirurgische Eingriffe wie Kieferbrüche, Zahnextraktionen und Implantationen können zu einer bakteriellen Infektion führen.

Zahnstörfelder können weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit haben

All das demonstriert recht deutlich, dass Zahnstörfelder den gesamten Organismus beeinflussen können. Häufige Beschwerden sind beispielsweise chronische Müdigkeit; so kann eine anhaltende Belastung des Immunsystems durch Zahnstörfelder zu einem Erschöpfungssyndrom führen. Durch die Immunschwäche können häufige Infekte, allergische Reaktionen oder Autoimmunerkrankungen die Folge sein. Darüber hinaus können Zahnstörfelder Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, depressive Verstimmungen, Angstzustände und innere Unruhe sowie Schlafstörungen verursachen, da sie das vegetative Nervensystem belasten können.

Weitere häufige Beschwerden sind unter anderem

  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Druckgefühl in den Nebenhöhlen
  • Tinnitus, Schwindel, Trigeminusneuralgie und Ohrenschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Nacken- und Rückenschmerzen
  • Kiefergelenkprobleme
  • Verdauungsstörungen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Hormonelle Störungen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Bluthochdruck
  • Durchblutungs- und Herzrhythmusstörungen

Zahlreiche Symptome und Erkrankungen können somit durch Zahnstörfelder bedingt sein. Oft wird ein Zusammenhang zwischen diesen Symptomen und den Zähnen jedoch erst nach vielen Jahren erkannt.

Wie erkennt man ein Zahnstörfeld?

Eine Störfelddiagnostik wird u. a. durchgeführt bei akuten und chronischen Schmerz- und Entzündungsprozessen, chronischen Erkrankungen wie z. B. Asthma, Allergien und Migräne. Im Rahmen der Diagnostik wird besonders auf Verletzungen jeder Art, Operationen, Narben, Zysten, Krampfadern, die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat und natürlich auf die Mundhöhle mit Zähnen (Zahn- und Kieferfehlstellungen) und Zahnfleisch geachtet.

Das Aufspüren eines Zahnstörfeldes kann eine Herausforderung sein, da herkömmliche Röntgenaufnahmen nicht immer eindeutige Hinweise liefern. Moderne Diagnostikverfahren helfen, solche Störfelder besser zu identifizieren.

  • Bildgebungstechniken wie die DVT (Digitale Volumentomographie) 3D-Diagnostik können durch eine dreidimensionale Röntgenaufnahme des Kiefers Entzündungen sichtbar machen.
  • Computergestützte Ultraschallgeräte, mit deren Hilfe die Qualität des Kieferknochens und dessen Knochendichte beurteilt und versteckte Entzündungen entdeckt werden können.
  • Spezielle Tests, die Stoffwechselprodukte von Bakterien aus Zahnfleischerkrankungen, infizierten und wurzelkanalbehandelten Zähne untersuchen, können so feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen diffusen Symptomen und wurzelkanalbehandelten Zähnen besteht. Gleichzeitig hilft ein derartiger Test bei der Entscheidung, ob ein wurzelkanalbehandelter Zahn entfernt werden muss. Mit dem Allergietest LTT kann analysiert werden, ob verwendete Zahnmaterialien wie Metalle, Kunststoffe oder Wurzelfüllungen die Gesundheit belasten und Allergien auslösen.
  • Kinesiologische Testverfahren werden in der ganzheitlichen Medizin genutzt, um Wechselwirkungen zwischen den Zähnen und dem restlichen Körper zu untersuchen.
  • Entzündungsmarker, die auf chronische Infektionen hinweisen, können mit Blut- und Speicheltests nachgewiesen werden.

Zahnstörfeldsanierung

Wenn ein Zahnstörfeld als Ursache für chronische Beschwerden identifiziert wird, gibt es verschiedene Therapieansätze:

  • Entfernung des Störfeldes: In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, wurzelbehandelte Zähne, Amalgamfüllungen oder entzündete Zahnareale zu entfernen.
  • Behandlung einer Zahnfleischtasche: Eine Zahnfleischtasche ist ein erstes Anzeichen einer Parodontitis. Bei der Behandlung ist die professionelle Zahnreinigung der erste Schritt. Weitere Maßnahmen sind Lasertherapie, Kürettage sowie die Behandlung mit Antibiotika.
  • Biologische Zahnmedizin: Ganzheitlich arbeitende Zahnärzte verwenden zuvor getestete, gut verträgliche Zahnersatzmaterialien. Liegt eine Unverträglichkeit auf Zahnmaterialien vor, kann ein Austausch von Füllungen sinnvoll sein.
  • Laser- oder Ozontherapie: Diese Methoden helfen, verbliebene Bakterien in entzündeten Bereichen zu reduzieren und die Heilung zu fördern. Mit (Laser-)Akupunktur können die Störherde gut behandelt werden.
  • Entgiftung und Stärkung des Immunsystems: Nach der Entfernung eines Störfeldes kann der Körper durch gezielte Maßnahmen wie Ernährung, Darmsanierung, Homöopathie und Vitalstofftherapien unterstützt werden.

Zahnstörfelder als unterschätzte Gesundheitsrisiken

Zahnstörfelder sind ein oft übersehener, aber bedeutender Risikofaktor für eine Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden. Insbesondere wurzelbehandelte Zähne können chronische Beschwerden verursachen, die sich auf den gesamten Körper auswirken. Wer unter chronischen, unerklärlichen und diffusen Symptomen leidet und keine klare Diagnose erhält, sollte daher auch seine Zahn- und Kiefergesundheit überprüfen lassen. Die ganzheitliche Zahnmedizin bietet moderne Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten, um Zahnstörfelder zu erkennen und zu behandeln. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten, Ärzten, Heilpraktikern und Therapeuten anderer Fachrichtungen kann helfen, chronische Beschwerden durch Störfelder nachhaltig zu lindern und somit die langfristige Gesundheit zu verbessern.

Mit der richtigen Kombination aus zahnärztlicher Therapie, gesunder Lebensweise und regelmäßiger Vorsorge kann zudem jeder Einzelne seine Mundgesundheit verbessern und so Schäden vermeiden. Auch bei Symptomfreiheit empfiehlt sich ein vorsorglicher Check-up.

Dr. Astrid Heinl-Zapf