Die Zitronenmelisse

Herkunft und Botanik
Der Name Melisse leitet sich vom griechischen “melitta“ oder „melissa“ ab, was beides übersetzt „Honigbiene“ bedeutet. In der griechischen Mythologie finden wir die Geschichte einer Nymphe, die Zeus in eine Biene verwandelte. Theophrastus von Eresos war der erste, der die Zitronenmelisse unter dem Namen „melissophyllon“ = Bienenblatt verwendete. Bienen lieben diese Pflanze und Imker setzen sie auch ein, um das Bienenvolk zu beruhigen und zu besänftigen und es am Ausschwärmen zu hindern. Der Zusatz „officinalis“ bezieht sich darauf, dass sie in der „Offizin“, der Apotheke viel verwendet wurde. Volkstümliche Namen sind Nervenkräutel, Frauenwohl oder Herztrost. Ursprünglich stammt die Melisse aus dem östlichen Mittelmeer und Westasien. Nach Mitteleuropa gelangte sie im 11. Jahrhundert durch die Araber und Spanier.

Wie alle Lippenblütler hat sie einen vierkantigen Stängel. Das besondere an ihr ist, dass sie wie in einer Kuppel wächst und ihre zart erscheinenden Blätter, die sich aber in der Berührung als eher derb herausstellen, wie ein Gewölbe ausbilden, das alles darunter schützt und verbirgt. Die Blätter sind herzförmig und zeigen bereits ein großes Einsatzgebiet dieser Pflanze. Die Unterseite der Blätter ist mit Drüsenhaaren versehen, die das ätherische Öl zum Schutz vor den gefräßigen Raupen der Schmetterlinge abgeben. Natürlich lockt das ätherische Öl auch Bienen und Hummeln zur Bestäubung an. Die kleinen weißen Blüten sind unscheinbar und wachsen in den Blattachseln. Aus den Blättern, die medizinisch verwendet werden, kann man Tee, Tinktur, ätherisches Öl, Hydrolat, Salben sowie Sirup herstellen. Das reine ätherische Öl der Melisse ist sehr flüchtig und instabil und fast unbezahlbar. Meist werden die Öle aus indischem Citronellgras angeboten, das unter der Bezeichnung Melissa indicum laufen. Die Ernte der Blätter sollte am besten im Juni oder Juli vor der Blüte erfolgen, da hier der Gehalt an Inhaltsstoffen am höchsten ist und später oft die Pflanze bei feuchter Witterung von der Blattfleckenkrankheit durch den Pilz Septoria melissae befallen wird. Wenn sie die Blätter sammeln und trocknen sollten sie den Tee daraus innerhalb eines halben Jahres verbrauchen, da die Inhaltsstoffe sich sehr schnell verflüchtigen.
Was die Melisse bewirken kann
Schon früh wurde die herzstärkende Wirkung der Melisse erkannt. Arabische Ärzte wie Avicenna nannten sie herzstärkend und herzerheiternd, Paracelsus nannte sie die „…beste Pflanze für das Herz“ und Hildegard von Bingen beschrieb, dass sie die Menschen zum Lachen bringt und durch ihre erwärmende Wirkung die Milz berührt und dadurch das Herz erfreut. Auch zur Stärkung der Nerven bei Traurigkeit, sorgenvoller Stimmung, Alpträumen oder als Trost der Frauen im Wochenbett wurde sie viele Jahrhundert lang verwendet. Den meisten von uns ist sicher die Rezeptur aus dem Jahre 1611 aus dem Karmeliterinnen Kloster St. Juste unter dem Namen „Karmelitergeist“ bekannt, aus der ab 1825 der „Klosterfrau Melissengeist“ entstand.
Die Melisse enthält ätherisches Öl mit den vor allem wirksamen Bestandteilen Citral, Citronellal, Caryophyllen und Geraniol. Daneben Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Mineralstoffe, wie Kalium, Calcium und Magnesium sowie Harze. Sie ist auch eine Einschleuserpflanze für Kalium, die uns hilft, dieses Mineral, das vor allem das Herz braucht, besser aufzunehmen. Sie ist eine Pflanze, die sowohl in der Phytotherapie als auch in der Traditionellen chinesischen Medizin, der Spagyrik und natürlich in der Aromatherapie verwendet wird. Sie wirkt vor allem beruhigend auf unser Nervensystem und reduziert alle Beschwerden nervösen Ursprungs an Herz, Kreislauf, Verdauungsorganen und Atmungsorganen. Auch den Schlaf und unsere Psyche vermag sie positiv zu beeinflussen. Vor allem bei Zukunft- bzw. Existenzsängsten rund um Arbeit, Geld, Gesundheit, nahestehenden Personen kann sie wieder innere Ruhe und Klarheit schenken. Die Melisse ist etwas für stressgeplagte Menschen, die sich ausgebrannt fühlen und denen die ihnen gestellten Aufgaben als zu groß erscheinen. Diese Menschen haben oft ihre Herzensruhe verloren, können nicht mehr schlafen und ihre Verdauung ist beeinträchtigt. Auch wissenschaftlich ist die Wirkung der Melisse auf den Neurotransmitter GABA im Gehirn belegt, wodurch die Erregung vermindert und der Schlaf verbessert wird. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist ihre antivirale Wirkung, vor allem gegen Herpes- und Grippeviren.

Melissensirup
Wir brauchen dafür:
> 4 Liter abgekochtes, kaltes Wasser
> 4 kg Zucker
> 5 Bio-Zitronen
> 100 gr. Zitronensäure
> Einen großen Bund Melisse und etwas Minze
Zubereitung: Das Wasser mit dem Zucker zum Kochen bringen, den Topf vom Herd nehmen und die Zitronensäure einrühren. Den Topf abkühlen lassen. Die Zitronenmelisse und Minze waschen, nicht einwandfreie Blätter entfernen und nach dem Trockenschleudern in grobe Stücke schneiden. Die gewaschenen und in Scheiben geschnittenen Zitronen zusammen mit den Melissenblättern in eine Schüssel geben und die abgekühlte Flüssigkeit darüber geben. Das Ganze 48 Stunden abgedeckt an einem dunklen Ort stehen lassen. Danach durch ein Mulltuch in einen großen Topf gießen und nochmals 5 Minuten köcheln lassen und in sterilisierte, kleine Flaschen abfüllen. Der Sirup kann mit Wasser verdünnt getrunken werden.
Die Anwendungsgebiete der Melisse reichen im psychische Bereich von Schlafstörungen, Alpträumen, Ängsten, Depressionen, Nervosität, Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität bei Kindern, bis zu Unruhezuständen bei Demenzpatienten. In der Aromatherapie gilt sie als Herz- und Nervenöl, das bei nervöser Erschöpfung und emotionaler Überforderung und zur Stärkung des Immunsystems gegen Herpes und Gürtelrose eingesetzt wird. Das Herz ist das zweite große Wirkungsfeld der Melisse. Nervöse Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und starkes Herzklopfen auch als Folge von einer Schilddrüsenüberfunktion sind Einsatzgebiete der Melisse, meist in Kombination mit dem Weißdorn, Wolfstrapp, Herzgespann oder Helmkraut. Im Magen-Darm Trakt sind es Dyspepsien, Darmkrämpfe, auch kindliche Koliken, das Reizdarmsyndrom sowie Darmentzündungen, die durch Melisse eine Linderung erfahren. Auch in der Frauenheilkunde hilft die Melisse bei Unterleibskrämpfen, PMS, Dysmenorrhoe, Schwangerschaftserbrechen, nervöse Störungen in der Schwangerschaft, Ängste und Verkrampfungen in der Geburtsvorbereitung sowie bei emotionalen Beschwerden im Wochenbett. Äußerlich wird sie bei Herpes Infektionen und auch bei Neuralgien, Rheuma und Quetschungen eingesetzt. Das Melissenhydrolat lässt sich sehr gut als Gesichtswasser für Entzündungen verwenden, gegen Juckreiz bei Windpocken oder für den entzündeten Babypo.
Die Melisse ist etwas für Menschen, deren Nervensystem sehr empfindlich reagiert, die eine geringe Stresstoleranz haben und sich den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen fühlen. Es sind oft die zurückhaltenden, bescheidenen, schüchternen, unsicheren und stets um das Wohl der anderen besorgten Typen. Ihre Gefühlsäußerungen sind oft sanft wie bei einer beginnenden Liebe, von der noch niemand weiß und kann in ihnen eine Daueraufregung erzeugen, die wiederum zu nervösen Störungen und Verkrampfungen führen kann. Vielleicht ein Grund warum der Melissengeist im Kloster entstanden ist, da auch Mönche und Nonnen nicht vor Gefühlen der Liebe gefeit sind. Melisse wirkt hier wie eine sanfte Berührung, schenkt Herzensruhe und Entspannung für den Magen-Darm Trakt und das Nervensystem. Sie hilft ganz bei sich selbst zu bleiben, sich selbst und dem großen Ganzen zu vertrauen und sich nicht in Eifersuchtsdramen und Drohgebärden zu verlieren, die den Schlaf rauben.
Wie alle Lippenblütler leben auch viele Menschen, die die Melisse brauchen, unter Dauerstress, da sie so vielseitig interessiert sind und Karriere, Hobbies und Freundeskreis kaum unter einen Hut bringen. Diese Pflanzenfamilie deckt viele Themen unseres Zeitgeistes ab und hilft Männern, aber auch Frauen, die im Beruf ihren Mann stehen wollen und ihre männliche Seite verstärkt leben, wieder entspannt zu sein. Das Ungleichgewicht ihres hormonellen Systems, das dadurch entstehen kann, wird durch die Melisse ausgeglichen (ihre Blätter enthalten auch Östrogene) und sie können wieder entspannt sein. Melisse hilft ihnen die schönen Seiten des Lebens wieder zu sehen und Wut, Melancholie und Angst zu vergessen.
Sabine Rosner, Heilpraktikerin