Wohlfühlen

Saunabaden

Ursprünglich war die Sauna ausschließlich zur Reinigung des Körpers gedacht. Im Laufe der Zeit erkannte man, dass sich ein regelmäßiger Saunabesuch auch positiv auf die Gesundheit des Menschen auswirkte. Durch das regelmäßige Aufsuchen einer Sauna entstehen im Körper viele Reaktionen, die für das Wohlbefinden und Lebensgefühl eines Menschen von Bedeutung sind. Die Sauna wirkt nicht auf einen krankheitsverursachenden Prozess spezifisch ein, sondern unterstützt verschiedene Funktionen des Körpers wie Herz-Kreislauf, Atmung, Wärmehaushalt, Stoffwechsel, Schlaf und Psyche. Damit werden funktionelle Abläufe verbessert und Krankheiten abgewehrt oder sogar geheilt. Somit ist die Sauna als eine spezielle Anwendungsform der Wärmetherapie mit ihren verschiedenen Reizen eine unterstützende Maßnahme für die Aufrechterhaltung von Gesundheit.

In Deutschland bestehen nach Angaben des Saunabundes mehr als 10.000 öffentliche Saunaanlagen. Nach Schätzungen gibt es heute sogar einen Bestand von etwa 1,66 Millionen private Saunabäder. Die Saunen werden inzwischen von mehr als 30 Millionen Menschen genutzt – Tendenz zunehmend. Es wurde festgestellt, dass 17 Millionen Männer und 13 Millionen Frauen regelmäßig saunabaden. Die Ursachen dafür sind, dass die Menschen ihrem immer stressiger werdenden Alltag entfliehen möchten und einen angenehmen Ausgleich in der Freizeit erleben wollen. So ist der Besuch einer Sauna ein Gegenpol zum psychisch und körperlich belastenden Alltag geworden.

Psyche

Das wohlige und entspannte Gefühl, das viele Menschen nach einem Saunagang und auch später nach dem Verlassen der Sauna verspüren, ist durchaus keine Einbildung. Ursächlich wirken die Einflüsse der Temperaturen, denen man sich in der Sauna für längere Zeit aussetzt. Wärme und Kälte im Wechsel sind die ausschlaggebenden Reize, die das vegetative Nervensystem stimulieren. Im Saunaraum bei Temperaturen bis zu 100 Grad weiten sich die Blutgefäße der Haut erheblich. Durch die Abkühlung mit kaltem Wasser ziehen sich die Gefäße wieder zusammen. Diese Reaktion ist die wichtigste. Sie wird durch den Sympathikus des vegetativen Nervensystems und durch ein funktionierendes Gefäßnervensystem gesteuert. Durch den Kältereiz wird Noradrenalin ausgeschüttet. Das bedeutet Eustress für den gesamten Körper. Um dieser Reaktion entgegenzuwirken, schüttet der Organismus vermehrt Endorphine aus. Sie sorgen für die gute Stimmung in der Sauna, die auch noch über eine längere Zeit anhält.

In den Erholungspausen zwischen den einzelnen Saunagängen kommt der Antagonist des Sympathikus, der Nervus Vagus, zu seinem Einsatz. Durch ihn werden nunmehr Ruhe und Entspannung im Körper ausgelöst. Hinzu kommt die Beruhigung der Herzfrequenz und ein Absinken der Schweißproduktion. Gerade nach der wichtigen Nachruhe von etwa einer Stunde scheint die Vagotonie besonders zu wirken. Saunagänger sind an diesem Tag entspannter und haben in der folgenden Nacht einen wesentlich verbesserten Schlaf.

Kälte- und Hitzereize in einer Sauna kann man auch als „Kick“ für die Psyche bezeichnen. Der Kälteeinfluss beim Abkühlen wird nicht unangenehm kalt, fröstelnd oder frierend empfunden. Im Gegenteil: Man möchte möglichst lange diese Kälte auf sich einwirken lassen. Der Körper ist im Saunaraum bis in den Körperkern gut erwärmt – bis 40 oder 41 Grad. Das empfinden regelmäßige Saunagänger als „Hitze-Kick“. Er wird in vielen Saunen als Aufguss mit verdampfenden Wassertropfen auf den heißen Steinen des Saunaofens oder mit wohlriechenden ätherischen Ölen als Höhepunkt dieses Bades zelebriert.

Die positiven Wirkungen der Sauna auf die Psyche stellen sich jedoch nur bei der „richtigen“ Durchführung des Saunierens ein. Wichtigster Gesichtspunkt: Genügend Zeit! Mit etwa zwei bis drei Stunden muss man rechnen. Es bedarf einer guten Vorbereitung und Einstellung zu „seinem Saunatag“. Das heißt: keine Eile oder sich unter Druck setzen. Sauna plant man – einmal in der Woche ist ausreichend. In der Sauna sollte man sich für jeden Aufenthalt im Schwitzraum ausreichend Zeit von etwa 10 bis 15 Minuten nehmen. Wichtige Regulationen sind bereits bei Beginn des Schwitzens vorhanden. So ist es sinnvoll, den Saunaraum bereits zu verlassen, wenn die ersten Schweißperlen auf die Stirn treten. Und das ist bei jedem Menschen zeitlich verschieden. Zwischen den Gängen muss man sich auch genügend Zeit für eine ausreichende Abkühlung lassen. Von mehr als drei Saunagängen ist abzuraten. In der Sauna sollte Ruhe herrschen. Laute Gespräche, lautes Lachen, Singen oder hektisches Umherlaufen stören die entspannende Atmosphäre einer Sauna. Sind alle Saunagänge zur vollen Zuriedenheit gelungen, wird sich jeder Saunagänger auf seinen nächsten Besuch in der Sauna freuen.

Klassische finnische Sauna
Nach der Definition der finnischen Sauna-Gesellschaft ist die Sauna ein hauptsächlich mit Holz ausgekleideter, belüfteter, mit Wasserzufuhr und Wasserabfluss versehener und ausreichend beleuchteter Raum, in dem sich Sitzbretter und ein beheizbarer Saunaofen befinden und dessen Luftfeuchtigkeit gering ist. Die Luftfeuchtigkeit wird mittels Wasser erhöht, das auf die heißen Steine des Saunaofens geworfen wird. Die typische Temperatur der Sauna ist mindestens 70 Grad.

Bio-Sauna
Im Vergleich zur finnischen Sauna werden die Bio-Saunen neudeutsch auch als Light-Saunen bezeichnet. Es sind schonende Saunatypen, die auch unter dem Begriff „Sanarium“ bekannt geworden sind. Veredelt wurden diese „modernen“ Saunen durch Farblichtausstattungen oder Aromazusätze, Kristallsteine oder leise Entspannungsmusik. So spricht man vor allem von Licht- oder Farbsauna und Aroma- oder Kräutersauna. Ihnen gemeinsam ist ihre Grundlage: Temperaturen um 50 bis 60 Grad, Luftfeuchtigkeit um 50 bis 60 Grad. Sie sind somit typische Niedrig-Temperatur-Saunen. Der Besuch in solch einer Sauna wird für die emotionale Einwirkung noch mehr oder weniger sinnvoll durch spezielle Licht- und Dufteinflüsse unterstützt. Dadurch soll eine bessere psychische Entspannung und ein gezielter Stressabbau erreicht werden.

Herz-Kreislauf

Man muss wissen: Das Saunabad gehört zu den milden hydrotherapeutischen Anwendungen. Es ist für das Herz-Kreislaufsystem kaum belastend. Sie stellt somit auch nur eine milde Form der Kreislaufbelastung dar. Während des Aufenthaltes im Saunaraum kommt es zu einer Erhöhung der Haut- und Körperinnentemperatur. Dagegen wehrt sich der Körper – er möchte nicht überwärmt werden. Er intensiviert seine Herzfunktion, um durch eine vermehrte Hautdurchblutung mit einer Erweiterung der Gefäße die Körperkerntemperatur zu senken. Durch den Einsatz der Schweißdrüsen wird ein zusätzlicher Verdunstungseffekt mit Kühlwirkung eingesetzt.

Durch die wärmebedingte Erweiterung der peripheren Strombahn entsteht eine Abnahme des Kreislaufwiderstandes. Das Blutvolumen verschiebt sich in die Peripherie. Dazu bedarf es aber einer Erhöhung der Herzfrequenz. Sie pendelt sich auf ein Niveau zwischen 40 und 50 Schlägen pro Minute über dem Ausgangspuls ein. Gesunde Menschen haben somit einen Puls von etwa 120 Schlägen pro Minute. In der Abkühl- und Ruhephase nach dem Verlassen des Schwitzraumes erreicht die Herzfrequenz nach kurzer Zeit wieder ihren Ausgangswert.

Um eine optimale Anpassung von Herz und Kreislauf an die Wärmebelastung zu erzielen, muss neben der Steigerung der Frequenz des Herzens auch sein Herzminutenvolumen erhöht werden. Das bedarf aber eines erhöhten Kraftaufwandes, damit sich der Herzmuskel entsprechend zusammenziehen kann. Er wird unter dem Einfluss des Sympathikus vergrößert und steigert damit die Herzfördermenge um 75 bis 100 Prozent. Da sich aber in der Peripherie die Gefäße durch den Warmreiz deutlich erweitert haben, nimmt der periphere Widerstand ab. Dadurch wird dem Herzen die Pumparbeit erleichtert. Der periphere Widerstand wird um die Hälfte des Wertes reduziert.

Es ist belegt, dass die Veränderung des Blutdruckes eines Normotonikers in der Hitze des Schwitzraumes im Mittel sehr niedrig ist. Während der diastolische Druck meistens geringfügig abfällt und der systolische Druck auch nur gering ansteigt, bleibt der arterielle Mitteldruck unverändert. Bei Hypertonikern allerdings fällt der systolische Blutdruck deutlich ab, oft bis zu Normwerten. Während der anschließenden Abkühlphase wird durch die kälteinduzierte Vasokonstriktion der Hautgefäße der periphere Widerstand erhöht. Der Blutdruck steigt an. Je besser er aber durch regelmäßiges Saunieren trainiert wurde, um so geringer ist der Wiederanstieg. Ist die Abkühlung durch Abgießen oder Duschen moderat und sacht, so kommt es sehr schnell wieder zur Normalisierung. Beim Eintauchen in ein Kaltwasserbecken entsteht auch wegen des hydrostatischen Druckes ein starker Anstieg des Blutdruckes bis zu 200 mm Hg. Aus diesem Grund ist für Hypertoniker eine solch intensive Abkühlungsmaßnahme durch ein Tauchbad verboten!

Experten befürworten die Sauna bei funktionellen und organisch ausgelösten Herz-Kreislaufbeschwerden, bei hohem und niedrigem Blutdruck. Durch die milden Reize bei völlig normalen und nicht belastenden Kreislaufregulationen, die durch den regelmäßigen Besuch immer wieder entstehen, kommt es zu einem langanhaltenden Trainingseffekt im gesamten System.

Atemwege

Die Wirkung auf die Funktionen der Atemorgane gehört zu den wichtigsten therapeutisch wirksamen Saunaeffekten. Neben der Körperoberfläche werden die Schleimhäute von der Nase bis zu den Lungenbläschen einem intensiven Wärmereiz ausgesetzt. Dadurch wird der Gewebestoffwechsel angeregt. Dies führt zu einer Zunahme der Durchblutung sowie des Feuchtigkeitsaustausches. Zudem wirkt die Wärme erweiternd auf die Bronchien bis zu den tiefen Atemwegen.

Die Atemfrequenz verändert sich kaum. Normalerweise atmet ein Mensch 16mal pro Minute. In der Sauna kann dieser Wert auf 17 bis 18 steigen. Die Atmung beschleunigt sich also kaum merklich. Das heißt, es wird fast die gleiche Menge Luft in die Lungen geatmet, wie auch außerhalb der Sauna. Andererseits wird aber ein tieferes und leichteres Durchatmen durch die muskelentspannende Wirkung der Wärme auf die Rumpfmuskulatur möglich. Diese Verbesserung ist wie ein Trainingseffekt für den gesamten Atemapparat.

Bei Atemwegserkrankungen kann die Sauna durchaus besucht werden. Die oberen Atemwege werden bis zu 40 Grad erwärmt, die Atmung ist erleichtert, die Atemmuskeln entspannen sich. Zusätzlich werden die Sekretion angeregt und die Abwehrleistungen der erkrankten Schleimhäute erhöht. Sekret kann vermehrt abgeräuspert und abgehustet werden. Die veränderten Bronchialschleimhäute schwellen ab.

Bei einem Erkältungsinfekt muss man Einiges beachten: Wenn man in der Anfangsphase einer Erkältung typisches Fröstelgefühl verspürt, kann die Sauna hilfreich sein. Sie wird einfach nur zum Erwärmen genutzt. Dadurch werden dann die Abwehrkräfte aktiviert. Bei ersten Zeichen wie beginnendem Laufen der Nase oder Kratzen im Hals und Schluckbeschwerden muss man individuell entscheiden. Ein langjähriger Saunagänger wird bewusst die Sauna einsetzen, um gegen den Infekt so schnell wie möglich und effektvoll anzugehen. In seiner Privatsauna z. B. wird er sich intensiv aufwärmen und anschließend ins Bett gehen – das Abkühlen wird er auf alle Fälle vermeiden. Er kennt ja seine eigenen Regeln. Der ungeübte Saunagänger würde sich allerdings durch Unvorsicht und Unkenntnissen mehr schaden – die Erkältung bricht danach erst richtig aus. Er sollte die Sauna unbedingt in dieser Zeit meiden. Nach dem Abklingen eines Infektes kann man vorsichtig wieder mit der Sauna beginnen.

Bei chronischer Bronchitis und Asthma bronchiale ist die Sauna sogar bewusst einsetzbar. Die Schleimhäute passen sich im Laufe der Zeit an die „klimatischen“ Bedingungen der Sauna gut an. Bei den Asthmakranken konnte eine dauernde Verbesserung der Atmung während der therapeutischen Anwendung der Sauna beobachtet werden. In der Sauna traten nach Beobachtungen keine Asthmaanfälle auf. Man sollte jedoch nach einem Asthmaanfall einige Tage bis zum nächsten Saunabesuch abwarten. Interessant: Asthmakinder profitieren besonders vom regelmäßigen Besuch einer Sauna. Neben den typischen Einwirkungen kommt noch ein spezieller Effekt hinzu. In den Vorstellungen der Kinder ist es etwas Besonderes als chronisch krankes Kind, in eine Sauna zu gehen. Sie fühlen sich stolz, selbstbewusster und in ihrem „Mut“ bestärkt. Somit besteht ein sehr wichtiger zusätzlicher psychischer Einfluss.

Studie: „Totonou“-Zustand in der Sauna

Aus neurowissenschaftlicher und psychologischer Sicht gibt es nur wenige Untersuchungen zum Saunabaden. Eine neuere Studie untersuchte die Auswirkungen des Saunabadens auf die Gehirnaktivität und stellte fest, dass die Erholung nach einem Saunabad die Gehirnentspannung und die kognitive Leistung verbessert. Da jedoch die Veränderungen im subjektiven Befinden der Probanden (Stimmung etc.) nicht untersucht wurden, ist unklar, ob die Veränderungen in der Gehirnaktivität mit der verbesserten Stimmung zusammenhängen. Da bisher nur die Gehirnaktivität vor und nach einem Saunagang gemessen wurde, ist unklar, was während des Saunagangs geschieht.
Die Menschen fühlen sich nach einem Saunagang glücklich; tatsächlich berichten einige Personen von einem starken, aber kurzen Gefühl des Wohlbefindens nach einem Saunagang, das in Japan als „totonou“-Zustand bekannt ist. Das Wort „totonou“ bedeutet im Japanischen „vorbereitet sein“; in Bezug auf die Sauna ist „totonou“ der Zustand des Wohlbefindens, in dem Körper und Geist durch den Saunabesuch automatisch konditioniert werden und die ursprüngliche Leistungsfähigkeit der Person wiederhergestellt wird. Um den „totonou“-Zustand zu erreichen, muss der Körper wiederholt erwärmt und abgekühlt werden, mit Pausen dazwischen. Im Allgemeinen ist es wichtig, ≥3 Sätze abwechselnd warmer und kalter Bäder mit den folgenden drei Phasen durchzuführen: Sauna (heiß) → Wasserbad (kalt) → Ruhe im Freien“, um den „totonou“-Zustand zu erreichen, der normalerweise in der Ruhephase eintritt.
In der vorliegenden Studie durchliefen die Teilnehmer eine Saunaphase, die aus drei Sätzen von abwechselnd heißer Sauna, kaltem Wasser und Ruhe bestand. Es wurden die Veränderungen der Gehirnaktivität und der Stimmung im „totonou“-Zustand untersucht, indem die Gehirnaktivität und emotionale Skalen vor und nach der Saunaphase sowie während der Ruhephase in jedem Satz gemessen und verglichen wurden. Die Autoren fanden einen signifikanten Anstieg der Theta- und Alpha-Leistung während der Ruhephase und nach der Saunaphase. Darüber hinaus wurde eine stärkere Aktivierung des präattentionalen auditorischen Prozesses und ein Rückgang der aufmerksamkeitsbezogenen Hirnaktivität gemessen. Das Gehirn befand sich also in einem effizienteren Zustand. Außerdem verringerte sich die Reaktionszeit bei Verhaltensaufgaben signifikant. Die subjektiven Antworten der Teilnehmer auf den Fragebogen zeigten außerdem signifikante Veränderungen bei der körperlichen Entspannung und anderen Indikatoren nach dem Saunabesuch.

Quelle: Ming Chang, Takuya Ibaraki, Yasushi Naruse, Yasuhiko Imamura: A study on neural changes induced by sauna bathing: Neural basis of the "totonou" state. PLoS One. 2023 Nov 27;18(11):e0294137.

Immunsystem

Dem Saunabaden wird seit Jahrzehnten volksmedizinisch eine allgemeine abhärtende und die Abwehrkräfte stimulierende Wirkungen zugesprochen. Viele wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei langjährigen Saunagängern 27 Prozent von ihnen völlig frei und 56 Prozent fast frei von Infekten der oberen Luftwege waren. Dahingegend hatten 18 Prozent von ihnen trotz regelmäßiger Saunabesuche gelegentliche, aber nur 1,3 Prozent regelmäßige Infekte. Solche und ähnliche Ergebnisse wurden immer wieder gefunden.

Ursächlich ist der beim Saunabaden ausgeübte starke Warm-Kaltreiz als Wechselreiz. Es konnte nachgewiesen werden, dass das Auslassen serieller Kaltreize den abhärtenden Effekt gegenüber Infekten deutlich vermindert. Durch das regelmäßige Saunieren kann sich der Körper besser an Wärme und Kälte anpassen. Immunzellen gelangen durch die Reizeinwirkungen schneller in die Schleimhäute der Luftwege. Sie werden sogar in ihrer Anzahl verändert. Entscheidend ist dabei der Kältereiz.

Die Gefäße der Peripherie werden vermehrt und aktiviert, die Durchblutung wird dadurch gesteigert. Es kommt reflektorisch zu einer Erhöhung des Blutflusses besonders in der Nasen- und Rachenschleimhaut. Durch diese Prozesse gelangen mehr Zellen des Immunsystems an die Orte, die den Attacken von Erkältungsviren und Bakterien ausgesetzt sind. Warum die Thermoreize bei den Abhärtungsmaßnahmen zu einem stärkeren Immunsystem führen, ist bis zum letzten Detail noch nicht ausreichend erforscht. Wissenschaftliche Ergebnisse deuten darauf hin, dass gerade die regelmäßigen Kaltwasseranwendungen die Zahl der Leukozyten und Abwehrzellen erhöhen.

Da die Kaltreize auch oxidative Stresoren für den Körper sind, wird der antioxidative Schutzmechanismus aktiviert. Das führt zu einer besseren Bewältigung einer durch freie Radikale induzierten Belastung. Es besteht damit eine geringere Anfälligkeit gegenüber krankmachenden Erregern. Es wird auch diskutiert, ob die durch die Hyperthermie erzeugte Aktivierung des Stoffwechsels verschiedene entzündliche Prozesse günstig beeinflusst werden. Auch weisen experimentelle Untersuchungen darauf hin, dass immunologische Phänomene entscheidend die Abhärtungsvorgänge beeinflussen.

Bekannt ist auch, dass bei einer deutlichen Temperaturerhöhung in den oberen Luftwegen die Schleimabsonderung in der Nase zunimmt und es damit zu einem signifikanten Anstieg des Immunglobulin-A kommt. Es ist sogar eine typisch thermisch bedingte Reaktion des Saunabadens. Ebenfalls typisch ist die Lymphozyten stimulierende Reaktion des Blutplasmas nach dem Saunabaden. Somit kann man nachweisen, dass unter den hyperthermalen Bedingungen der Sauna einige Faktoren lymphozytärer Reaktionen mit proliferationsfördernden Eigenschaften angeschoben werden. Bei Saunagängern ist auch das Inteferon, das unter anderem vor viralen Infekten schützt, im Blut erhöht.

Absolute Kontraindikationen

  • akute und fieberhafte Erkrankungen
  • Entzündungen an Organen oder Blutgefäßen
  • dekompensierte Herz-Kreislauf-Erkran­kungen
  • Epilepsie und epileptoide Anfälle
  • Krebs und andere maligne Entartungen
  • nicht ausgeheilte Tuberkulose

Relative Kontraindikationen

  • schwere neurovegetative Dysregulation
  • stärkere zerebrale Durchblutungsstörungen
  • schwere Leber- und Nierenverände­rungen

kein Saunaverbot

  • Diabetes mellitus
  • Gravidität
  • gut eingestellte Hypertonie
  • leichte Depressionen
  • normotones Glaukom
  • Varizen

Möglichkeit des Saunabesuches

  • pektanginöse Beschwerden
  • funktionelle Herzbeschwerden
  • venöse Gefäßerkrankungen
  • arterielle Grfäßerkrankungen
  • Schwangerschaftsödeme
  • leichte chronische Hepatiditen

Kontraindikationen

Ein finnisches Sprichwort sagt: „Wer bis zur Sauna gehen kann, kann auch hineingehen.“ Das sollte für die meisten Menschen gelten. Nur wenige Krankheiten oder Beschwerden verbieten einen Saunabesuch. Darüber muss allerdings jeder Bescheid wissen, der gern eine Sauna aufsuchen möchte. Es gibt eventuell vorhandene Veränderungen des Körpers, Krankheitsreaktionen, vereinzelte körperliche und psychische Zustände, aber auch bestimmte Symptome, die die Reize der Sauna nicht zulassen. Beschwerden, Unverträglichkeitsreaktionen, Verschlechterungen der Symptome oder pathologische Veränderungen von gemessenen Kontrollwerten begrenzen den Saunaeinsatz.

Allgemein gilt, dass bei einer Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems unter 60 bis 75 Watt vom Besuch einer Sauna unbedingt Abstand genommen werden muss. Ausgeprägte und deutlich auffällige Hautveränderungen, durchaus auch kleinflächig, setzen je nach Ausprägung aus ästhetischen und hygienischen Gründen Grenzen – zumindestens beim Besuch einer öffentlichen Sauna. Es besteht sogar ein Risiko für die Ansteckung der anderen Saunabesucher. In einer Privatsauna sind bestimmte Hautveränderungen akzeptabel. Patienten mit einer ausgeprägten Hyperthyreose sollten nicht in die Sauna gehen.

Bei einer Varikosis der Beine muss man individuell entscheiden. Wer die Beine während des Saunaganges mit einem Tuch bedeckt, eventuell eine kalte Kompresse benutzt, die Beine hochlagert und, wenn nötig, nach dem Besuch seine verordneten Kompressionsstrümpfe anzieht, kann die Sauna durchaus nutzen. Während des Aufenthaltes in der Sauna sollte der Krampfaderpatient ausreichend Flüssigkeit zuführen. Wichtig ist, dass es zu keinen Missempfindungen und Schmerzen oder auch Schwellungen mit starkem Hervortreten der Venen kommt. Beim postthrombotischen Syndrom mit klinischen Zeichen sollte man die Sauna meiden. Die Wärme wirkt verstärkt venendilatierend auf die kranken Beingefäße. Auch der Verlust von Flüssigkeit kann zu einer Steigerung der Viskosität des Blutes in diesem Bereich führen.

Generell darf man nicht mit akuten Krankheiten in die Sauna gehen. Das betrifft jeden akuten Infekt genauso wie den Herzinfarkt oder das floride Magen-Darmgeschwür. Allgemein kann man sagen, dass alle Krankheiten, die sich durch einen stärkeren Wärmereiz subjektiv und objektiv verschlimmern können, eine Gegenanzeige darstellen. Das trifft auch für das akute Glaukom, Epilepsieformen, Schübe von Gelenkerkrankungen, akute Beschwerden bei Rheumatoidarthritis, schwere Depressionen und auffällige Hepatitiserkrankungen zu.

Dr. med. Lutz Koch
Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin